Wo hört die Einteilung auf?

Besetzung im Nachwuchsbereich sorgt für Zündstoff: Demokratie oder Diskriminierung?

Nicht alle Alters- und Spielklassen im Nachwuchsbereich können mit Unparteiischen besetzt werden, zu wenig Schiedsrichter gibt es, um im Jugendbereich auch die Spiele der Kleinsten und Kleineren von einem neutralen Referee leiten zu lassen. Für Diskussionsstoff sorgt seit geraumer Zeit die Frage, wo die Einteilung aufhört, wo sich die Demokratie durchsetzt oder eine Diskriminierung beginnt.

Wo hört die Einteilung auf?

Den Anstoß zur Diskussion über die Schiedsrichtereinteilung im Nachwuchsbereich gab Michael Heinikel, Abteilungsleiter beim TSV Ochenbruck für die Frauen- und Mädchenteams ("Moorteufel"). Heinikel erinnerte sich an die Aussage vor Saisonbeginn, dass in der Altersklasse der U13 ("D-Jugend") nur die BOL und die Kreisliga der Junioren mangels Schiedsrichter in der Einteilung berücksichtigt werden können. So weit so gut. Erfreulich war dann generell zwar auch die Erkenntnis, dass Kapazitäten der "Pfeifenmänner" vorhanden waren, um auch in den Kreisklassen der Jungs Unparteiische schicken zu können. Strittig, und für Heinikel nicht vertretbar, dass dagegen die Bezirksliga der U13-Juniorinnen weiter ohne Schiris von Verbandsseite auskommen muss.

Bezirksschiedsrichterobmann Gerhard Pech (Fürth) bestätigte auf Nachfrage, dass aus Mangel an Schiedsrichtern in den zwölf SR-Gruppen Mittelfrankens aktuell Partien aus folgenden Spielklassen nicht besetzt werden:
- alle Kleinfeldspielgruppen der Junioren und Juniorinnen im Bereich der SR-Gruppen
- die U13-Kreisgruppen Junioren (246 Mannschaften)
- U13-Mädchen (12 Mannschaften)

teilweise bei SR-Mangel in etlichen SR-Gruppen:
- Spiele in den C-Junioren Kreisgruppen
- Spiele in den B-Klassen und AH-Spiele.

Pech wies auch darauf hin, dass die Belastbarkeit der Unparteiischen an Grenzen stoße, teilweise würden Schiedsrichter an einem Wochenende bis zu drei Spiele leiten. Heinikel prangert auch nicht das Fehlen der Referees als solches an: "Dass die Schiedsrichter überbelastet sind und Kapazitäten fehlen, weiß ich; es geht denen da genauso wie den ehrenamtlichen Trainern und Betreuern. Mich stört vielmehr, dass die Kreisklasse der Jungs vor der Bezirksliga der Mädels gestellt wird, das ist eine klare Benachteiligung des Mädchenfußballs!" Außerdem gehe es bei den Mädels der U13 in Mittelfranken gerade einmal um sechs Partien, für die pro Spieltag Schiedsrichter gebraucht würden. Dass die U13-Bezirksliga der Mädchen (es gibt nur diese Spielklasse!) freilich nicht mit dem Bezirksoberhaus der Jungs gleichzustellen ist, streitet Heinikel gar nicht ab. "Ich lasse mir eingehen, dass die oberen Spielklassen der Jungs Priorität genießen, aber ganz an den Rand muss man uns deshalb nicht drängen. Ich sehe diese Praxis als ein falsches Signal für den Mädchenfußball", erscheint für Heinikel die von oberster Verbandsseite im Zuge der Frauen-WM 2011 propagierte Förderung des Mädchenfußballs in Nachhinein als Lippenbekenntnis.

Pech beruft sich dagegen auf eine demokratische Abstimmung der SR-Obleute des Bezirks mit dem Bezirksschiedsrichterausschuss vor der Saison, in der diese Besetzungspolitik festgelegt wurde. Heinikel will den Beschluss so nicht hinnehmen. "Mir geht es nicht um die Person des Schiedsrichterobmanns oder Schiedsrichter an sich, ich empfinde es aber als Beleidigung und Diskriminierung, dass die Bezirksliga - wenn ich diese schon so nenne - der Mädels nicht bedacht wird, dafür vorhandene Schiris in unteren Klassen der Jungs eingesetzt werden, und ich befürchte, dass in einem weiteren Schritt, wenn noch mehr Schiedsrichter fehlen, bald auch bei der U15 der Mädchen keine Schiris mehr kommen", wehrt sich Heinikel, der auf eine "Einsicht" in der Einteilung hofft, um das Politikum gütlich vom Tisch zu bekommen, andernfalls - so macht der engagierte Abteilungsleiter deutlich - würde er auch den Weg nicht scheuen, die Angelegenheit über andere Instanzen prüfen und klären zu lassen.

Ernüchternd war für Pech die Resonanz auf einen ausgeschriebenen SR-Lehrgang, ausschließlich für Frauen und Mädchen ab 14 Jahre für den gesamten Bezirk Mittelfranken: gerade einmal fünf Teilnehmerinnen waren dazu erschienen. Insofern erscheint das in der BOL-Sitzung der Frauen ausgegebene Ziel, dass zukünftig Frauenspiele von Frauen geleitet werden sollen, nicht in absehbarer Zeit umsetzbar. Unabhängig davon, steht die Grundsatzdiskussion über den Einsatz der vorhandenen Schiris für die benötigten Spiele: Wo liegt die Grenze bei der Einteilung? (Polemisch gefragt: Zählt eine Kreisklasse der Junioren mehr als die Bezirksliga der Juniorinnen?)

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Zugleich ergeht der Aufruf an interessierte Sportkameraden einen SR-Neulingslehrgang zu besuchen. Teilnehmen kann, wer mindestens 14 Jahre alt und Mitglied in einem Fußballverein des Bayerischen Fußballverbandes ist. Nähere Informationen geben die zuständigen Schiedsrichterobleute: http://www.bfv.de/cms/seiten/schiedsrichter_35448.html

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